Pizzaofen, zweiter Versuch
Letztes Jahr hat mich mal wieder die Lehmbausehnsucht gepackt, und so beschloss ich schließlich, doch einfach noch mal einen Pizzaofen zu bauen, nur so zum Spaß und zur Übung (und zum Backen, hoffentlichnatürlich). Ich habe ihn dahin gebaut, wo später dann das Haus hinkommt, so hatte ich eine Minibaustelle als Vorgeschmack für die große, das war irgendwie nett. Am 3. Oktober ging’s los – ziemlich spät im Jahr, aber ich hatte großes Glück und das Wetter war unglaublich sonnig und trocken bis weit in den November hinein. Nach dem 13. November habe ich nicht mehr weiter am Ofen gearbeitet, weil er hinreichend fertig war und es dann doch kalt wurde. Natürlich hätten wir das Ding auch mit ein paar helfenden Händen innerhalb von zwei Tagen bauen können, aber wie gesagt, mich hat’s in den Finger gejuckt und sonst niemanden so richtig, also habe ich das meiste alleine gemacht und hier und da eine halbe Stunde abgezwackt, meistens nachmittags, zwischen Kindergartenende und Abendessen.
Der Steinsockel
Gleich um die Ecke war eine Baustelle mit einer Riesenmenge Steinen im Aushub. Die Leute, denen das neue Haus gehörte, waren supernett und meinten, ich könnte soviele Steine haben wie ich wollte. Also sind wir ein paarmal mit dem Auto hingefahren und haben den Kofferraumboden vorsichtig mit den größten Steinen, die ich noch gut halten konnte, bedeckt. (Vielleicht wäre es auch mit einmal fahren gegangen, aber ich war mir nicht sicher, wieviel das Auto aushält, und die Zeit war wie gesagt meistens eher knapp.) Ich hatte erst einmal und mit mäßigem Erfolg eine Trockenmauer gebaut (nämlich bei meinem ersten Pizzaofen), und die Stein hatten wirklich alle möglichen Formen und Größen. Glücklicherweise LIEBE ich Puzzles :-D im Ernst, ich habe über drei Wochen hinweg Schicht für Schicht diesen Sockel hochgezogen, und es hat mir riesigen Spaß gemacht. Kann es ungeduldigen Leuten aber wirklich nicht empfehlen. Er ist mir auch dieses Mal wieder etwas nach innen gewachsen, aber nicht halb so sehr wie beim letzten Versuch. Hab natürlich trotzdem die Augen verdreht, als ich fertig war und oben den Durchmesser gemessen habe, ich musste die ganze Ofengröße anpassen.
Der Ofenboden
Der ausgegrabene Lehm war wunderbar: sehr fett, zum Ausgraben wirklich eine Plage, aber fast völlig steinfrei! Waren auch kaum kleine Kiesel drin, ich bin ganz glücklich. :-D Entsprechend war mein Mix ungefähr wie bei Kate, etwa 3:1 Sand/Lehm. Vielleicht sogar eher 4:1, je nachdem, was für eine Mischung gebraucht wird. Ich hatte mich entschlossen, nochmal eine Bodenisolierung mit Glasflaschen zu machen, aber dieses Mal sehr darauf zu achten, dass die restliche Isolierschicht besser würde als beim ersten Versuch. Ich hatte schon eine Weile diese praktischen Olivenölflaschen mit dem quadratischen Querschnitt gesammelt, hatte aber zum Schluss doch nicht genug von einer Sorte und musste noch ein paar andere einbauen. Macht nix, in Lehm geht alles.
Nachdem das letzte Experiment mit der Lehmsoßen-Sägespänen-Isoliermischung nicht so gut geklappt hatte und ich außerdem etwas Stroh herumliegen hatte, probierte ich es diesmal mit einer Strohleichtlehmmischung. (Tja, nichts kann hier den schönen englischen Begriff slippy straw übertreffen!) Dazu habe ich einfach etwas Lehm mit ziemlich viel Wasser auf der Plane mit den Füßen verrieben und dann solange Stroh reingestreut und vermischt, bis trockene Stellen blieben. Das nahm ich dann einfach und klatschte es schlapp schlapp an die entsprechenden Stellen. Das war eigentlich ziemlich simpel und sehr spaßig! Ich habe die Glasflaschen darin eingepackt und gleichzeitig versucht, den Boden etwas zu verbreitern, damit meine Schamottesteine draufpassten… dann noch eine dünne Schicht sehr feuchten Baulehms, aufgerillt zur besseren Verteilung und Anhaftung der Steine.
Um es kurz zu sagen: die Schamottesteine zu setzen und schlimmer noch, ins Wasser zu bringen, dauerte ewig und hat nicht ganz so viel Spaß gemacht. Außerdem musste ich den Gesamtdurchmesser ja an den zu klein geratenen Sockel anpassen, so dass meine Steine nicht so draufpassten wie geplant. (Hatte die übrigens einfach online bestellt, 40 € für zehn Steine plus Versand). Das war also ein ewiges Gefummel, am Ende hatte ich drei Steine übrig, der Boden war weitgehend eben und im Wasser, und in die Ecken packte ich einfach eine dicke Lehmschicht.
DANN war da die Sache mit der Sandform. Zum einen schaffe ich es einfach nicht, diese Kuppel so hoch und so groß zu machen, wie sie sein sollte. Zum anderen schien die Sonne so stark an diesem Nachmittag (4. November!), dass die eine Seite viel zu schnell austrocknete und ständig Sand runterrieselte. Argh… und dann hab ich nicht auf mein schlaues Buch gehört und mit dem Brett, mit dem ich die Kuppel ringsherum festdrückte, an einer Stelle ein bisschen zu fest gedrückt. Schwupps, da rutschte mal kurz die Hälfte des Sandes ins Gras. Ich glaube, den Schrei hat man durch halb Heinstetten gehört! – Aber es war tatsächlich gar nicht schlimm, in weniger als fünf Minuten hatte ich das Ding wieder aufgebaut. Dann musste ich allerdings Schluss machen für den Tag, habe das Ganze dann in gut genässtes Zeitungspapier gepackt und ein provisorisches Zelt aus zwei Rankgittern und einer Plastikplane darüber gebaut, das hat ganz gut funktioniert.
Die Ofenkuppel
Da gibt es eigentlich nicht viel zu sagen – beim Bauen wurde mir klar, dass die Dicke der beiden inneren Ofenschichten (Wärmespeicher- und Isolierschicht) sowie deren Verhältnis zueinander entscheidend sind. Ist die Lehmschicht zu dick, braucht der Ofen zu lange, um sich aufzuheizen; ist sie zu dünn, wird er nicht richtig heiß. Ist die Isolierschicht zu dünn, verliert er die Hitze zu schnell wieder. Ich habe mich da sehr bemüht, aber vielleicht hab ich’s auch komplett versaut – meine Lehmschicht ist nämlich ziemlich runtergesackt und auseinandergegangen, und schließlich musste ich sie etwas zurechtsägen. Dadurch war es dann ziemlich schwierig zu sagen, wie dick die Schicht an welcher Stelle war. Ich hatte an den zwei Tagen etwas Gesellschaft, weswegen ihr mal was Anderes von mir zu sehen bekommt als meine Gummistiefel. ;-)
Isolierung & ein erster Test
Als nächstes machte ich nochmal eine große Menge „Schlüpfstroh‟ (Strohleichtlehm) und klatschte das einfach dran. Habe nicht mal versucht, es schön oder ordentlich zu machen, nur möglichst gut isolierend. Und da ich nur zu gerne wissen wollte, ob ich diese Isolierschicht besser hinbekommen hatte als die letzte, ließ ich den Ofen wild und strubbelig wie er war und machte einfach mal ein Feuer drin! Es ist sowohl jammerschade als auch wohl ein Glück, dass wir nur Fotos vom Feuer gemacht haben, und niemand Anderes eine Kamera zückte, um zu fotografieren oder schlimmer noch, zu FILMEN, wie meine Schwester und ich gemeinsam wie wild ins Feuer pusteten und dann kicherten und alberne Witze über Geburtsvorbereitungskurse machten und hauptsächlich lachend auf dem Boden lagen. (Das passiert öfters bei Aktionen mit meiner Schwester.) Um ehrlich zu sein, war der Test mehr oder weniger ergebnisoffen. Ich habe nicht so furchtbar viel Übung und Erfahrung beim Feuermachen in einem Lehmofen, und ich hatte vollkommen unterschätzt, wie lange wir dafür brauchen würden. Die Sonne ging (wie im November üblich) früh unter, es wurde ratzfatz ziemlich kalt, und die Kinder mussten ins Bett. Von daher konnten wir nicht wirklich etwas backen… und nach diesem Tag (8. November) ergab sich keine Gelegenheit mehr für einen weiteren Test, bevor der Winter kam.
Verputzen & ein provisorisches Dach
Ich verbrachte drei weitere wunderschöne Herbstnachmittage mit einer Art Unterfeinputz. Nicht fein genug, um schon die abschließende Schicht zu bilden, aber viiiiieeeel ordentlicher als das Strohgestrubbel. Mein Stroh war alle, weswegen ich ausnahmsweise Heu benutzte… nicht optimal, sollte aber in der Putzschicht eines Lehmofens nichts ausmachen, denke ich (außerdem wird er sowieso recht bald wieder abgerissen). Und dann hatte ich großen Spaß mit reziproken Dachvarianten! Ich wollte schon immer mal so eins bauen, ich finde sie einfach genial. Habe also ein paar herumliegende Holzlatten genommen und herumprobiert und mich schließlich für die sechsstangige Version entschieden. Die Latten haben verschiedene Längen, und ich habe dann noch ziemlich asymmetrisch ein paar Stützstangen angeschraubt (sieht man nicht auf den Bildern), aber es hielt den ganzen Winter über. Allerdings habe ich es nicht mehr geschafft, etwas Blech draufzunageln, und die Plastikplane, die ich drübergelegt und mit Steinen beschwert hatte, wurde mehrfach weggeweht bzw. hing mitsamt Regenwasser durch die Löcher der Konstruktion durch. Gar nicht ideal, der Ofen wurde öfter mal nass. Aber nicht zu nass :-) von daher gedenke ich, nächste Woche ein oder zwei Tage damit zu verbringen, ihn nochmal anzufeuern und vielleicht sogar endlich was Leckeres drin zu backen!
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