Tadelakt-Workshop in Frankfurt

Sprachen

„Tade- WAS?‟ hör ich da schon jemanden fragen. (Schade, wie wenig Leute dieses wunderschöne Material kennen – ich gedenke das zu ändern!) Kurz gesagt ist Tadelakt ein Kalkfeinputz aus Marokko, der durch eine besondere Oberflächenbehandlung wasserfest gemacht wird. Eine kurze Bildsuche spart mir hier viel Text, schaut es euch einfach an. Und lasst euch gesagt sein: So streichelweich und angenehm, wie es aussieht, fühlt es sich auch an.

ein meisterliches Beispiel von Sandro im AusstellungsraumNahaufnahme vom Waschbecken (schreit das nicht geradezu danach, angefasst und gestreichelt zu werden?)

Tadelakt ist fantastisch

  • Es ist ein reines Naturprodukt und durchgehend umweltfreundlich (bis auf den Transportweg von Marokko, wenn man das Original nimmt).
  • Wie alle Kalkputze wirkt es Pilz- und Schimmelbefall entgegen.
  • Das Material selbst kostet nicht viel.
  • In seiner Unregelmäßigkeit und seinem leichten Farbspiel ist es sehr reizvoll fürs Auge, und hochglanzpoliert gibt es ein zurückhaltendes Gefühl von Luxus.
  • Es ist diffusionsoffen und passt daher super zum Lehmbau.
  • Es bietet unendlich viele Gestaltungsmöglichkeiten.
  • Es macht auch großen Spaß, damit zu arbeiten.

Tadelakt & Lehm

Und natürlich ist es für mich fantastisch, weil ich Dusche und Badewanne aus Lehm formen kann, wie ich möchte, und sie anschließend mit Tadelakt gleichzeitig wasserfest und wunderschön machen. Allerdings habe ich schon einiges zur Problematik von Kalk auf Lehm gelesen und gehört, und auch wenn die beiden wohl grundsätzlich gut zusammenpassen, ist es wohl nicht ganz einfach gut umzusetzen. Das Problem ist, dass der Kalk im Endeffekt wieder versteinert, so dass sich eine massive Steinplatte auf der weicheren Lehmwand befindet. Das hält anscheinend nicht immer. Andererseits kriegen die das in Marokko zum Beispiel auch seit zweitausend Jahren gut hin, es kann also nicht unmöglich sein. Mein Lösungsansatz ist bis jetzt: Tadelakt sparsam und gezielt statt großflächig einsetzen, für eine sehr gute mechanische Verkrallung sorgen, und möglichst viel im Vorfeld testen.

Workshop bei LifeBoXX

LifeBoXX sind in Frankfurt am Main und machen eigentlich ziemlich viele coole Sachen (UND sie haben einen Online-Shop!). Ich empfehle einen Besuch auf der LifeBoXX-Über-uns-Seite, da wird im Interview mit Sandro auch noch einiges zum Thema Tadelakt erzählt. Den Workshop hat mir eine Bekannte empfohlen, und Frankfurt war ganz geschickt für mich, weil ich in Mainz übernachten konnte und die Strecke morgens problemlos mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewältigen ist.

Erster Workshop-Tag

meine Platte mit sehr flüssigem grünblauem Tadelaktalle Reste in einem Topfmein WandauftragSandros Wandauftrag: deutlich unordentlicher, als ich gedacht hätte. Merken!Sandros Platte mit Wolkentechnik zur Demonstrationalle arbeiten fleißig an der WandSandros Wolkentechnikplatte, abgeriebenPlatten auf dem Tisch nach dem ersten Tag (einige noch sehr flüssig, wie man sieht)

Nun muss man gleich sagen, dass zwei Workshoptage für das Material eine ziemlich gestauchte Zeit sind. Der richtige Verarbeitungszeitpunkt, bzw. Weiterarbeitungszeitpunkt, ist nämlich das A&O beim Tadelakt: Wenn man zu früh mit dem nächsten Schritt anfangen will, rubbelt man sich nur alles wieder auf! Daher fingen wir am Freitag früh ziemlich zackig und ohne viel Vorab-Theorie, d.h. mit laufender Erklärung und Anweisung, an, Tadelakt mit Farbpigmenten zu versehen und auf eine Reihe vorbereiteter Platten aufzuziehen (man konnte machen soviel man wollte bzw. wie man eben in der kurzen Zeit geschafft hat). Ich hatte eine naturfarbene, eine in hellem, abgetönten Lila, eine in hellem Sonnengelb und eine in einem wunderbaren, grünstichigen Blauton. Meine Nebenfrau machte fünf in sehr kräftigen, beeindruckenden Farben: Rostrot, Sonnenblumengelb, sattes Laubwaldgrün, Meerblau, und Schwarz. (Schwarz ist generell ziemlich schick.) Alle probierten was Anderes aus, da waren viele interessante Sachen dabei.

Nachdem wir zwei Schichten auf alle unsere Platten aufgezogen hatten, kippten wir sämtliche Reste zusammen (braungrau igiiitttttt) und versuchten uns an der Wand, denn das ist schon nochmal anders als auf einer horizontal liegenden Platte. Auch da wurden zwei Schichten aufgezogen, und alle bekamen eine Innen- und eine Außenecke zum Üben. Zwischenrein gab’s Mittagessen und etwas Theorie zu Untergründen, Arbeitsweise und Timing, danach wurden die Platten (und die Wand) mit kleinen Holzbrettchen abgerieben. Der Kraftaufwand hierfür ist wirklich nicht zu unterschätzen, das Holz saugt sich richtig am nassen Material fest. Wir beendeten den ersten Tag damit, mit der Venezianerkelle unsere Platten und die Wandflecken etwas zu glätten und zu verdichten. Allerdings – Timing! – ging das noch nicht überall, denn manche Platten und auch Wandstellen waren einfach noch zu nass, zum Beispiel meine blaue Platte, weil nämlich die grünen und blauen Pigmente das Material ziemlich krass verflüssigen.

Zweiter Workshop-Tag

einige Platten mit deutlichem Krakeel am nächsten Morgenvier der Platten meiner Nebenfrau, glänzend poliert (HACH)Nahaufnahme von der schwarzen Platte meiner Nebenfraueine Platte vom Profi, der seine gleich so ordentlich abgezogen hattedas war seine interessantestedas dürfte die naturfarbene gewesen seinmeine blaue Platte mit meinem Polierstein :-)Sandros Beispielplatte mit punischem Wachs, zur Hälfte mit Goldglanz

Nächster Tag: Platten rausholen, bestaunen, und (nochmal) mit der Kelle bearbeiten. Dabei haben wir etwas sehr Bemerkenswertes festgestellt: Die Platten, die am Tag davor noch zu nass waren und daher relativ unregelmäßig in der Oberfläche, wurden durch das spätere Verdichten viel, viel schöner und interessanter! Die hatten Flecken, Sprenkel, Farbwechsel… wunderbar. Wir hatten auch einen Profi in der Gruppe, der alle seine Platten schon am ersten Tag superordentlich und gleichmäßig abgezogen und geglättet hatte, und die waren einfach ein bisschen langweilig. (Hat er tatsächlich selber gesagt. (-:) Die von meiner Nebenfrau wurden alle sehr schön, und meine blaue hat mir auch richtig gut gefallen (war die einzige, die am Tag davor noch zu nass war). Ein echter Aha-Effekt, den ich mir merken muss.

Den Rest vom zweiten Tag verbrachten wir dann hauptsächlich mit Polieren, Polieren, Polieren (und Polierstein aussuchen), wobei auch das an einigen Stellen noch nicht wirklich möglich war, zum Beispiel an meiner superfeuchten Wandecke. Sandro hat nochmal sehr viel zum Thema Timing gesagt, woran man erkennt, dass man weiterarbeiten kann, und auch, wie lange man höchstens mit jedem nächsten Schritt warten sollte. Als wir genug poliert hatten, zeigte er uns noch an einer älteren Platte, wie man punisches Wachs aufzieht und mit dem Lammfell auf Hochglanz poliert, und wie man an dieser Stelle Goldglanzpigmente einarbeitet (oooooooooooohhh! und die kosten nicht mal viel!!). Wir waren nämlich alle schwer begeistert von einem Tadelakt-Wandbild, das über seinem Schreibtisch hing und den Goldglanz wirklich perfekt zur Geltung brachte.

Sandros Bild hinterm Schreibtisch (ja, das ist Tadelakt!)Nahaufnahme vom Bild mit schönem Krakeel und Goldglanz

Und schon hieß es Abschied nehmen, nachdem noch letzte Einkäufe getätigt wurden. Ich habe mir meinen Polierstein gleich gekauft, denn bei einer Bestellung kann ich mir den nicht aussuchen, und der richtige Stein ist schon sehr, sehr hilfreich. Schließlich hält man den Stun-den in der Hand und reibt, reibt, reibt…

Vielleicht klingt das jetzt nicht nach so viel Arbeit, aber es war doch anstrengender, als ich gedacht hätte, vor allem in Anbetracht der Miniflächen, die wir produziert haben. In jedem Fall war es für mich ein super Workshop: Ich weiß jetzt sehr vieles, vor allem auch, was ich noch nicht weiß und was ich noch üben muss. Und es hat großen Spaß gemacht. :-)

Ein früheres Experiment von mir

Um das noch zu erwähnen: Tadelakt reizt mich schon lange, und als ich Ende 2012 in ein altes Haus umgezogen bin, dessen Abbruch bereits feststand und dessen Küche erstens nichtexistent und zweitens unglaublich schäbig aussah, kaufte ich mir kurzerhand eine nachgemachte Tadelakt-Version sowie etwas Werkzeug (einen Polierstein und eine kleine Kunststoffkelle) und Eisenoxid-Pigmente und machte mich daran, damit etwa zweieinhalb Quadratmeter Wand als Rückwand hinter der Spüle zu gestalten. Ich habe es tatsächlich völlig versäumt, davon brauchbare Fotos zu machen, darum hier nur ein Kinder-in-der-Küche-Foto, auf dem das Ergebnis meines Versuchs im Hintergrund zu sehen ist.

die Wand in der alten Küche, bevor auch nur der Haftputz dran warmeine kleine Tadelaktbaustelle mit Tonteller zum Übenso sah es nachher aus (leider nur ein Ausschnitt)hier ist im Hintergrund ungefähr die Hälfte der Tadelakt-Wand zu sehen

Kurz gesagt: ich bin jetzt nach dem Kurs absolut erstaunt, dass das Zeug überhaupt an der Wand gehalten hat! Mein Untergrund war grundsätzlich falsch (Gipshaftputz) und schlecht vorbereitet (viel zu glatt), und auch sonst hatte ich nicht so richtig viel Ahnung, wie das funktionieren sollte. Meine Olivenseifenlösung hinterließ deutlich sichtbare, weißliche Sprühflecken und Wassernasen, und so richtig wasserfest war das Ding wahrscheinlich auch nicht. Nicht schlimm, denn wie gesagt, es war nicht für die Ewigkeit und als Experiment eine sehr gute Sache. Ich weiß darum aus Erfahrung, dass die Wahl eines passenden Poliersteins wirklich wichtig ist, denn der von damals war mir zu schwer und ich habe mir einen ziemlichen Krampf in der Hand geholt. Außerdem wird es mich immer daran erinnern, dass wirklich NICHTS über direkte, praktische Erfahrung geht. Workshops, Workshops, Workshops! Oder eben viele, viele Experimente.